Mit einer Abschlussrede S.H. des Dalai Lama ist der Achtsamkeitskongress am 21. August zu Ende gegangen. Rund 30 Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland zeigten das ganze Spektrum der Achtsamkeitspraxis auf; über 1.500 Teilnehmer aller Welt kamen zum Kongress nach Hamburg.


Wir freuen uns über die vielfältige Resonanz und hoffen, dass der Kongress Anstoß für fruchtbare Diskurse und eine breite, interdisziplinäre Vernetzung zum Thema Achtsamkeit sein konnte.

Das Ziel des wissenschaftlichen Kongresses war, die Forschungsergebnisse verschiedener Fachgebiete zusammenzutragen und interdisziplinär zu erörtern.
Dabei ging es um den Ursprung und die Bedeutung im buddhistischen Kontext ebenso wie um die moderne Anwendung in Pädagogik, Medizin und Psychologie. Im Fokus aller Diskussionen: Wie kann sich die Achtsamkeits- praxis positiv auf die Gesellschaft auswirken.

Stimmen zum Kongress

 „Was ich sehr spannend fand, war der besondere Grad an Offenheit der Experten aus dem Bereich der Neurowissenschaften. Das eröffnet einen Raum, in dem wir alle wirklich bereit sein können, Fragen zu stellen. Denn hier werden geliebte Annahmen untersucht, die noch niemals einem Test unterzogen wurden, weder von buddhistischer noch von wissenschaftlicher Seite aus.“
Alan Wallace

 „Ich fand den Kongress wunderbar! Kompakte Informationen auf sehr hohem Niveau. Bei der Diskussion von Neurowissenschaftlern und Kontemplierenden wurde deutlich, dass es zwischen diesen beiden Gruppen deutlich hörbar knirscht und sie unterschiedliche Ansichten haben. Trotzdem empfand ich es als wohltuend, dass es möglich war, unvereinbare Ansichten nebeneinander stehen zu lassen. "
Beate Ludwig, Unternehmerin

 „Der Kongress eröffnete einen weiten Raum fürs Lernen. Viele Referenten sprachen aus einem ganz anderen Gesichtspunkt über Achtsamkeit, als wir es in der buddhistsichen Tradition gewohnt sind. Ich habe viele wunderbare neue Kontakte geknüpft zu Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen und Freundschaften vertieft oder neu gewonnen. Ich gehe sehr beschwingt von diesem Kongress nach Hause.“
Venerable Dhammananda aus Thailand

„Die Bereitschaft zum Dialog ist es, was ich bei diesem Kongress am meisten geschätzt habe. Der Kongress hat mein Verständnis von der Bedeutung von Achtsamkeit erweitert und vertieft, es wird auch sicherlich die Art und Weise bereichern, in der ich lehre. Wenn ich in Zukunft Unterricht gebe über die vier Grundlagen der Achtsamkeit, werde ich mich wieder mehr auf die Theravada-Perspektive beziehen."
Hozan Alan Senauke Roshi, Vizeabt des Berkeley Zen Centers, USA

Das Themenspektrum des Kongresses

Achtsamkeit ist eine der bekanntesten buddhistischen Methoden heute. Buddhisten aller Traditionen sehen in der Achtsamkeitspraxis die Möglichkeit, tiefere Einsichten in die Wirklichkeit und dadurch mehr innere Freiheit zu erlangen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Achtsamkeitspraxis aus dem buddhistischen Kontext herausgelöst und allgemein zugänglich gemacht worden, etwa als Anti-Stress-Methode von Jon Kabat-Zinn. Hier geht es vor allem darum, Dinge bewusst im gegenwärtigen Moment zu tun.

* Achtsamkeit im Buddhismus: Was bedeutet Achtsamkeit? Wie hat sich die Praxis historisch entwickelt, und wie sieht sie heute aus? Vertreter der Buddhismuskunde sowie praktizierende Buddhisten verschiedener Traditionen kommen zu Wort.

 

* Achtsamkeit und Pädagogik: Die Anwendung in der Erziehung ist ein noch weitgehend unbearbeitetes Forschungsfeld. Renommierte Pädagogen diskutieren: Welche Wirkung hat die Anwendung von Achtsamkeit in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen? Wie lässt sich Achtsamkeit didaktisch für Schule und Hochschule aufbereiten? 

 

 * Achtsamkeit in Medizin und Psychologie: Die wissenschaftlichen Erforschung dieses Gebiets ist bereits weit fortgeschritten, was ist die Bilanz: Was kann die Achtsamkeitsmethode bei Stress, Depression, Schmerzen und Krebs leisten? Wissenschaftler und Ärzte berichten über neue Forschungen und Erfahrungen mit Patienten.

 

* Achtsamkeit und Neurowissenschaft: Wie verändert die Praxis der Achtsamkeit, insbesondere die Achtsamkeitsbasierte Anti-Stress-Methode, das Gehirn? Und inwieweit kann sie zu physischem und psychischem Wohlergehen beitragen?

  

* Achtsamkeit und ethische Verantwortung: Ist Achtsamkeit eine heilsame Geistesausrichtung? Wie kann sich die Praxis der Achtsamkeit positiv auf das Verhalten des Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes auswirken?

Veranstalter

Der Wissenschaftskongress fand an der Universität Hamburg statt. Veranstalter waren das Tibetische Zentrum in Kooperation mit dem Zentrum für Buddhismuskunde der Universität Hamburg, beide arbeiten gemeinnützig. Der Kongress finanzierte sich aus Spenden und Eintrittsgeldern.